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Ratgeber

Wie viel Bar braucht ein Siebträger?

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Wer Siebträgermaschinen vergleicht, stößt auf Angaben wie 15 bar, 19 bar oder 20 bar. Das wirkt wie ein Leistungsmerkmal, ist aber für die Espressoqualität kaum aussagekräftig. Diese Seite erklärt, was der Druck beim Espresso bewirkt, warum etwa 9 bar als Standard gelten, was ein Überdruckventil macht und wie Sie den Brühdruck an Ihrer Maschine einschätzen. Sie richtet sich an Käufer und an alle, die ihr Manometer verstehen möchten.

Pumpendruck und Brühdruck sind nicht dasselbe

In fast allen Haushaltsmaschinen arbeitet eine Vibrationspumpe, manche hochwertigen Geräte nutzen eine Rotationspumpe. Die Pumpe wird mit ihrem Maximaldruck angegeben, also dem Druck, den sie gegen einen vollständig geschlossenen Ausgang aufbauen kann. Bei Vibrationspumpen liegen diese Angaben häufig bei 15 bar oder mehr.

Beim Espresso zählt aber der Brühdruck: der Druck, mit dem das Wasser durch den Kaffeekuchen gepresst wird. Er hängt vom Widerstand im Sieb ab und wird bei den meisten Maschinen begrenzt. Ein Überdruckventil, häufig OPV genannt, leitet überschüssiges Wasser zurück in den Tank oder die Abtropfschale, sobald der eingestellte Druck erreicht ist. Andere Maschinen regeln die Pumpe elektronisch.

Warum gerade etwa 9 bar?

Der Wert von etwa 9 bar hat sich in der Espressozubereitung als Standard etabliert. Bei diesem Druck lösen sich Aromen, Öle und Kohlendioxid gut, und es bildet sich Crema, ohne dass der Kaffeekuchen zu stark verdichtet wird. Auch Fachorganisationen wie die Specialty Coffee Association beschreiben Espresso mit einem Druck in diesem Bereich.

Höherer Druck ist nicht automatisch besser. Zu viel Druck kann den Kuchen so stark verdichten, dass das Wasser sich Kanäle sucht. Das nennt man Channeling, und es führt zu ungleichmäßiger Extraktion. Manche Baristas arbeiten bewusst mit niedrigerem Druck oder mit Druckprofilen, die den Druck während des Bezugs verändern. Das ist eine Frage des Geschmacks und der Bohne, nicht der maximalen Pumpenleistung.

Typische Angaben und was sie bedeuten

Vorsicht bei Zweikreisern und Dualboilern: Dort gibt es oft zwei Manometer. Eines zeigt den Pumpen- oder Brühdruck, das andere den Druck im Dampfkessel. Den Unterschied der Bauarten erklärt Einkreiser, Zweikreiser, Dualboiler.

Brühdruck an der eigenen Maschine prüfen

Hat Ihre Maschine ein Manometer, beobachten Sie es beim Bezug. Mit frischem, passend gemahlenem Kaffee sollte der Zeiger im vom Hersteller vorgesehenen Bereich stehen. Einen Anhaltspunkt für den Maximalwert liefert ein Test mit Blindsieb, wie er in Siebträgermaschine baut keinen Druck auf beschrieben ist. Beachten Sie, dass der Blindsiebwert oft etwas höher liegt als der Druck im Kaffee.

Ohne Manometer bleibt die Durchlaufzeit als Hinweis. Liegt ein Espresso im Verhältnis von etwa 1 zu 2 bei 25 bis 30 Sekunden und schmeckt ausgewogen, arbeitet die Maschine in einem sinnvollen Bereich. Den Zielwert für Ihre Dosis berechnet der Brew-Ratio-Rechner.

Hinweis:Das Überdruckventil sollten Sie nicht ohne Erfahrung verstellen. Eingriffe in Maschinen mit Netzspannung und unter Druck stehenden Bauteilen gehören in fachkundige Hände. Lesen Sie die Herstellerangaben.

Druckbeaufschlagte Siebe

Viele Einsteigergeräte liegen mit doppelwandigen Sieben bei. Sie erzeugen den Widerstand nicht im Kaffee, sondern an einer kleinen Öffnung im Siebboden. Das Manometer zeigt dann unter Umständen andere Werte, und der Mahlgrad wirkt sich weniger stark aus. Wer mit normalen Sieben arbeitet, kann den Brühdruck über den Mahlgrad gezielt beeinflussen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Statt auf die höchste Bar-Zahl zu achten, sind andere Merkmale wichtiger: eine stabile Brühtemperatur, am besten mit PID-Regelung, eine zum Budget passende Mühle, ein Manometer für die Kontrolle und ein vernünftig eingestelltes Überdruckventil. Bei einigen Modellen lässt sich der Brühdruck über ein Ventil oder eine Profilfunktion anpassen. Für Einsteiger ist das kein Muss.

Maschinen mit stabiler Temperatur zeigt der Ratgeber Einkreiser mit PID. Einen breiten Überblick über alle Klassen bietet Die besten Siebträgermaschinen für zuhause. Mehr zum Temperaturthema lesen Sie in PID-Regelung erklärt.

Einkreiser mit PID vergleichen →

Häufige Fragen

Ist eine Maschine mit 20 bar besser als eine mit 15 bar? Für den Espresso nicht. Beide Werte beschreiben den Maximaldruck der Pumpe. Der Brühdruck wird bei beiden meist auf einen deutlich niedrigeren Wert begrenzt.

Wie viel Druck braucht ein Siebträger mindestens? Ein Espresso im klassischen Sinn braucht einen Brühdruck im Bereich um 9 bar. Geräte, die deutlich darunter bleiben, bereiten eher einen kräftigen Kaffee zu.

Was ist Präinfusion? Beim Vorbrühen wird der Kaffee zuerst mit geringem Druck befeuchtet, bevor der volle Druck einsetzt. Das kann Channeling verringern. Viele Maschinen bieten eine solche Funktion an.

Kann ich den Druck selbst einstellen? Bei manchen Maschinen ist das vorgesehen, bei anderen nur durch Eingriff in das Überdruckventil möglich. Prüfen Sie die Bedienungsanleitung und lassen Sie Eingriffe im Zweifel von einer Werkstatt durchführen.

Was Sie dafür brauchen